Das Wetter sieht gar nicht gut aus. Kalt (-20Grad), nebelig, dunkel und düster. In den letzten zwei Wochen konnte ich immer den Sonnenaufgang im Bus beobachten, heute sieht alles traurig aus. Man erkennt die Landachaft gar nicht mehr aufgrund des Nebels. Ob das eine Bedeutung hat?
Schulwoche #3
Der Montag und Dienstag verliefen ganz nornal. Sie gehören zu jenen Tagen, die man schnell wieder vergisst. Schulbus, Schule, Mittag, Schule, Schulbus. Jetzt langsam verstehe ich, wieso niemand Schulbusse mag. Der Schulbus rüttelt die ganze Zeit, die Kinder sind laut und kicken mit den Beinen, sodass die Sitze sehr unbequem sind. Da mein Zuhause am morgen die erste, am Nachmittag die letzte Station ist, geniesse ich immer die wenigen Minuten, in denen der Bus ganz leer, ruhig und angenehm ist. Am Mittwoch mussten alle Schüler eine Vorbereitungsprüfung für ihre Abschlussprüfung schreiben. Da ich keinen Abschluss bekommen werde, durfte ich die Prüfung gar nicht schreiben. Also las ich unser Englischbuch, My Antonià. Nach der Schule gingen wir nach Moorhead und kauften Lebensmittel ein, während mein Gastvater in eine Bar ging, um seine Freunde zu treffen. Am Eingang des Ladens gibt es einen Automaten (Red Box), von dem man Filme ausleihen kann. Wir liehen 2 Filme aus, The Whole Truth und The Deep Water Horizon. Zudem gab es gratis Cookies, weil bald Valentinstag ist. Nachdem Einkaufen, gingen wir in ein asiatisches Restaurant und kauften unser Abendessen als Take-Away ein. Wie sehr ich es vermisst habe. Für mich gab es Reis mit Gemüse in Szechuan Style. Danach holten wir meinen Gastvater ab. Er war einweng angetrunken, aber ich glaube, dass es ihm gut tat, da er in der letzten Zeit ziemlich unter Stress stand. Im Auto diskutierten wir über Religion, Migration und alles möglich, denn er weiss sehr viel darüber, was ich sehr bewunderswert finde. Auch fühlte ich mich zum ersten Mal richtig wohl, beziehungsweise "Zuhause" in seiner Umgebung. Am Abend schauten wir dann Deep Water Horizon. Ein sehr empfehlenswerter Film, basiert auf eine wahre Geschichte. Meiner Meinung nach, könnte man ihn vom Inhalt her mit Titanic vergleichen. Aber ohne Liebe.
Emotional, Tragisch, zum Nachdenken anregend und Realistisch. Am Donnerstag fuhren meine Gastmutter und Ich von Ada nach Manohmen, um die monatliche Zeitung meines Gastvaters auszuteilen. Meine Gastmutter ist dort aufgewachsen und ihr Bruder lebt immer noch dort. Wir besuchten ihn, aber nur seine Ehefrau war zu Hause. Ihr Haus ist riesig! Man könnte denken, es sei ein kleines Hotel. Aber es ist eine Villa für zwei Personen!!! Aber das liegt vermutlich daran, dass der Ehemann Häuser baut, vermietet und verkauft. Wirklich schönes Haus. Aber ich will nicht wissen, wie lange es dauert, um das Haus zu putzen, dekorieren usw. Am Abend schauten wir den zweiten Film, den wir ausgeliehen haben. Er heisst "The Whole Truth". Der Film verläuft einwenig langsam, aber wer gerne Plot Twists gegen das Ende hat, dem wird der Film auf jeden Fall gefallen.
Wocheende
Am Freitag blieb ich in Ada mit zwei Freundinnen, da ein Basketballspiel am Abend in der Schule stattfand. Das war richtig lustig. Wir kauften Süssigkeiten ein und assen Fast Food. Wir fuhren in der Stadt herum, hörten Musik und genossen das Essen, was sehr amüsant war. Mir gefiel es sehr und ich fühlte mich richtig amerikanisch. Um sechs Uhr fand dann das Spiel statt und meine Freundin musste helfen, die Punkte zu notieren. Es gab zwei Spiele: die Junior Varsity und Varsity. Das Spiel der Juniors war ganz okay, nicht sehr spannend, aber das Spiel der Älteren (Varsity) war sehr stark. Man nahm das Basketballspiel sehr ernst. Einerseits war es beängstigend, andererseit war es extremsten spannend. Die Stimmung war sehr angespannt und die Coaches gaben die ganze Zeit befehle. Der Head-Coach des anderen Teams war richtig böse und genervt. Aber schlussendlich gewann Ada-Borup mit einem Vorsprung von zehn Punkte. Nach dem Spiel gab es ein Overtime in der Kirche. Es gab Spiele, Essen und Trinken. Das war einwenig langweilig, weil gar nicht so viele gekommen sind. Aber am Ende spielten wir Pictionary, was lustig war.
Am Samstagmorgen ging ich wieder zur Schule, um die Cookies von letzter Woche zu dekorieren. Anfangs war es noch okay, aber mit der Zeit wurde es richtig langweilig. Um drei Uhr nachmittags fuhren meine zwei Freundinnen und ich nach Fargo. Eigentlich war es eine ziemlich spontane Entscheidung für mich. Also hatte ich au keine Pläne. Wir fuhren dorthin, verfuhren uns mehrere Male, stoppten bei Drive-Ins von FastFood-Ketten (ja, meine Freundin liebt es zu essen) und gingen in Läden wie Scheels, Target, Walmart, Claire's... Wir gehen ins Rubi Tuesday, um zu essen. Eine Freundin sehnte sich nach Sushi und weigerte sich etwas Anderes zu essen, was meine andere Freundin natürlich nicht zuliess. Also musste sie auch essen. Aber auf unserem Weg nach Hause holten wir dann Sushi von Hornbacher's, damit sie auch zufrieden nach Hause gehen kann. Das war ein sehr toller Tag und ich kann zum ersten Mal sagen, dass ich wirklich Freunde gefunden habe. Sonntag war ein sehr ruhiger und angenehmer Tag. Als Allererstes rief ich natürlich meinen Vater an und wünschte ihm alles Gute zum Geburtstag. Eigentlich hatte ich vor um vier Uhr aufzustehen, damit ich ihm möglichst früh alles Gute wünschen kann, aber als der Wecker läutete, war ich zu müde, um mich zu bewegen. Nachdem wir eine Stunde lang telefoniert haben, gingen wir zur Primarschule, um zu brunchen. Die lokale Feuerwehr organisierte den Bunch, um Geld zu sammeln. Es war jedem freigestellt, wieviel Geld er/sie spendieren wollte. Am Nachmittag war kaum was los. Wir hatten "Honey", eine Freundin meiner Gastmutter, zu Besuch für zehn Minuten. Wir schauten fern, ich machte meine Hausaufgaben und am Abend schauten wir die Grammys.
Nun zur Frage, ob die Nummer 3 wirklich so schlimm ist. Also der dritte Tag war für mich ziemlich hektisch. Das erste Mal Busfahren, neue Menschen kennenlernen, Schulzimmer finden, Schulfächer wechseln. Da muss ich ehrlich sagen, der dritte Tag war blöde. Die dritte Woche hingegen, war eigentlich sehr cool. Das liegt daran, dass ich endlich Freunde gefunden habe und etwas mit ihnen unternommen habe. Die Woche verlief eigentlich sehr langsam. Aber ab Freitag verlief sie wie der Blitz. Das Einzige, was mich beunruhigt ist die Tatsache, dass ich erst seit drei Wochen hier bin, aber es fühlt sich so an, als wäre ich bereits eine Ewigkeit hier.
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